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Mehrweg 2 Go: LMW treibt praxistaugliche Mehrwegsysteme voran

Vom Kaffeebecher bis zur Take-away-Bowl: Mehrweg ist in Bewegung! Städte und Unternehmen in ganz Europa erproben neue Lösungen, Rückgabesysteme und Anreize. Die LMW-Arbeitsgruppe „Mehrweg 2 Go“ schaut über den Tellerrand und arbeitet daran, aus guten Einzelideen funktionierende Systeme zu entwickeln.

Nachhaltigkeit & Kreislauf Rohstoffe & Verpackungen Mehrweg
Lesezeit4 Min.
VeröffentlichtSeptember 2026

Mehrweg klingt zunächst einfach: Behälter verwenden, zurückgeben, reinigen und wieder von vorne. Doch damit daraus ein funktionierender Kreislauf wird, müssen viele Zahnräder ineinandergreifen. Genau hier setzt die Arbeitsgruppe „Mehrweg 2 Go“ an, die 2025 vom Logistikverbund Mehrweg (LMW) ins Leben gerufen wurde. Vertreter aus Handel, Gastronomie, Magistrat und Wirtschaftskammer arbeiten dabei mit Systemanbietern, Herstellern von Mehrwegbehältern und Reinigungsunternehmen zusammen.

Andreas Bayer © GS1 Austria/Katharina Schiffl

Es ist uns ein großes Anliegen, den Mehrweg-Anteil zu steigern und damit die Abfallvermeidung zu unterstützen. 

Andreas Bayer, Manager Logistikverbund Mehrweg (LMW)

Auch mit Blick auf die zukünftigen gesetzlichen Rahmenbedingungen sei das ratsam: „Ab 12. Februar 2028 schreibt die PPWR, die Verpackungsverordnung der EU, vor, dass Konsumenten EU-weit Mehrwegverpackungen für Take-away angeboten werden müssen“, weiß Bayer.
 

Vom Behälter zum Kreislauf

Im Mittelpunkt der LMW-Arbeitsgruppe steht nicht der einzelne Take-away-Becher oder die einzelne Bowl, sondern das System dahinter: Wie funktioniert die Rücknahme? Wie werden Behälter gesammelt, gereinigt und wieder in Umlauf gebracht? Welche Einsatzmöglichkeiten sind sinnvoll, und wie lassen sich Mehrweg-Lösungen möglichst gut aufeinander abstimmen? Auch die eindeutige Kennzeichnung spielt dabei eine Rolle. 

Mit dem Global Returnable Asset Identifier (GRAI) bietet GS1 einen Standard, durch den wiederverwendbare Behälter und Verpackungen eindeutig identifiziert und in ihren Kreisläufen begleitet werden können. Oder, wie es Bayer auf den Punkt bringt: „Mehrweg ist ein System und bedeutet Stoff- und Werterhaltung.“

 

Europa testet Mehrweg

Welche Lösungen sich in der Praxis bewähren, zeigt ein Blick über Österreichs Grenzen hinaus, der wertvolle Impulse für die Arbeitsgruppe liefert. So setzte etwa Lissabon in einigen Bezirken auf Mehrwegbecher mit automatisierten Rückgabestellen, um den Abfall in den Straßen zu reduzieren. Das dänische Aarhus wiederum testet seit 2024 ein stadtweites System, bei dem Pfandbecher an Automaten zurückgegeben, zentral gereinigt und wieder in Umlauf gebracht werden. 

Auch Berlin hat einen solchen Kreislauf erprobt: Ein Jahr lang konnten Mehrwegbecher aus mehr als 80 Cafés und Restaurants in Friedrichshain-Kreuzberg zusätzlich über Leergutautomaten ausgewählter Supermärkte retourniert werden. Der Pilotversuch endete im März 2026, die Erkenntnisse daraus werden derzeit ausgewertet. Einen anderen Weg geht Tübingen: Die Stadt erhebt seit 2022 eine Steuer auf bestimmte Einwegverpackungen. Die Zahl der Betriebe mit Mehrweg-Angebot hat sich seither vervierfacht, während der Verpackungsabfall zurückging.

 

Österreich zieht mit

Auch hierzulande gewinnt das Thema an Fahrt. So hat etwa Tchibo sein Mehrweg-Angebot dieses Jahr auf alle 120 österreichischen Filialen ausgeweitet: Kaffee gibt es im RECUP-Pfandbecher, Einweg nur noch auf Nachfrage. Im Handel wird gleichzeitig darüber nachgedacht, wie Mehrweg künftig auch bei Take-away-Speisen – etwa bei Bowls von Salatbars – funktionieren kann. 

Die Stadt Wien setzt bei größeren Veranstaltungen ebenfalls bereits klare Akzente: Bei mehr als 1.000 Teilnehmenden müssen bei der Ausgabe von Speisen und Getränken Mehrwegprodukte eingesetzt werden. Dass Mehrweg nicht beim Kaffeebecher endet, beweist auch „Cubizza“: Der innovative Mehrweg-Pizzakarton wurde bereits im LMW vorgestellt und zeigt, welche neuen Einsatzgebiete sich für Kreislauflösungen eröffnen.

Mehr zum Mehrweg-Pizzakarton „Cubizza“

Damit sich die Runde rechnet

Neben der ökologischen Wirkung muss Mehrweg vor allem praktikabel und wirtschaftlich sein. Eine im Rahmen der LMW-Arbeitsgruppe durchgeführte Studie liefert dafür eine interessante Orientierung: Bezüglich der Kosten sind Mehrwegsysteme bereits ab acht Umläufen gegenüber Einweglösungen im Vorteil. Eine Universallösung gibt es dennoch nicht. Entscheidend ist, jene Bereiche zu identifizieren, in denen Mehrweg sinnvoll funktioniert. „Mehrweg ist sicher nicht für alles geeignet, aber es gibt viele Möglichkeiten und Bereiche, wo man es realisieren kann. Und dafür setzen wir uns ein!“, so Bayer.


Über den Tellerrand und zurück in den Kreislauf

Ob Rückgabeautomat, Mehrweg-Kaffeebecher oder Take-away-Lösungen: In Europa wird ausprobiert, gelernt und weiterentwickelt. Der LMW sieht sich dabei laut Bayer als „Treiber und Katalysator von Mehrwegsystemen“. Die Arbeitsgruppe beobachtet, was anderswo funktioniert, bringt unterschiedliche Akteure zusammen und macht Erfahrungen für den österreichischen Markt nutzbar. 

Die Entscheidung für Mehrweg wird – so Bayer – „letztlich aber vor allem dort fallen, wo Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen: beim Handel und bei den Konsumenten. Der LMW will zeigen, was möglich ist und was es dafür braucht.“ Damit Mehrweg dort, wo es sinnvoll ist, noch viele weitere Runden drehen kann.
 

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