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GS1 Standards ebnen den Weg zum Digitalen Produktpass

Der Digitale Produktpass (DPP) verändert den Umgang mit Produktdaten. Transparenz, Rückverfolgbarkeit und standardisierte Informationen werden zur Voraussetzung für viele Produkte, um die Verpflichtungen zur Informationsbereitstellung zu erleichtern. GS1 Standards schaffen dafür die notwendige Grundlage und unterstützen Unternehmen dabei, sich schon heute auf die kommenden Anforderungen vorzubereiten.

Standards & Digitalisierung Identifikation
Lesezeit6 Min.
VeröffentlichtSeptember 2026

Die EU-Industriepolitik betrifft viele Bereiche unserer Wirtschaft und verfolgt unter anderem das Ziel, Europa ressourcenunabhängiger zu machen und Produkte nachhaltiger, langlebiger, reparierbarer und recyclingfähiger zu gestalten. Im Rahmen des EU Green Deal hat die Europäische Kommission dazu 2024 die Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte, die Ökodesign-Verordnung (ESPR, Ecodesign for Sustainable Product Regulation), verabschiedet. Sie soll dazu beitragen, die Umweltauswirkungen von Produkten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu reduzieren und mithilfe digitaler Lösungen die Transformation hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. 

Ein wesentliches Instrument dafür ist der Digitale Produktpass (DPP). Er macht produktbezogene Daten verfügbar, die entlang der Wertschöpfungskette anfallen und ein Produkt über seinen Lebenszyklus begleiten.

 

Kurz erklärt: 
Der Digitale Produktpass (DPP) ist die digitale Identität eines Produkts. Er macht relevante Produktinformationen standardisiert zugänglich und unterstützt Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette.

 

DPP als digitale Identität des Produkts

Schon heute verrät ein Produkt einiges über sich: Hersteller, Marke oder Inhaltsstoffe finden sich auf Verpackung oder Etikett. Der Digitale Produktpass geht einen entscheidenden Schritt weiter und soll unter anderem diese Fragen beantworten:

  • Woher stammen die verwendeten Materialien? 
  • Wie kann das Produkt repariert werden? 
  • Welche Informationen sind für Recycling oder Wiederverwendung wichtig? 

Künftig sollen auch solche Informationen über den DPP zugänglich sein.

Mit der ESPR wird der DPP schrittweise für ausgewählte Produktgruppen verpflichtend. Den Anfang machen ab Februar 2027 Großbatterien, danach kommen Stahl und Eisen, Textilien sowie viele weitere Produktgruppen. Für zahlreiche Unternehmen stellt sich deshalb schon heute die Frage: Wie lassen sich diese neuen Anforderungen effizient umsetzen? Die Antwort ist nicht eine neue Software oder ein zusätzliches IT-System, sondern eine gemeinsame Sprache für Produktdaten. Genau hier setzen GS1 Standards an. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass Produkte weltweit eindeutig identifiziert, Informationen standardisiert ausgetauscht und Digitale Produktpässe interoperabel umgesetzt werden können.
 

Orientierung auf dem Weg zum Digitalen Produktpass

Um Unternehmen bei der Vorbereitung zu unterstützen, hat GS1 bereits die zweite Version des vorläufigen „GS1 Digital Product Passport Provisional Application Standard“ veröffentlicht. Er beschreibt, wie Produkte, Unternehmen und Standorte eindeutig identifiziert werden und welche Datenträger – etwa QR Codes oder EPC/RFID Tags – für den Zugang zu Digitalen Produktpässen eingesetzt werden können. Gleichzeitig zeigt der Standard, wie sich die Anforderungen der ESPR auf Basis bestehender GS1 Standards umsetzen lassen. Vorläufig ist der Standard deshalb, weil die konkreten Vorgaben und einzelnen Datenpunkte erst mit den Delegierten Rechtsakten feststehen. Sobald diese vorliegen, müssen sie nochmals mit den GS1 Standards abgeglichen werden. Diese Orientierung baut auf dem auf, wofür GS1 seit Jahrzehnten steht: die weltweit eindeutige Identifikation und Kennzeichnung von Produkten.

Ob GTIN, EAN-13 Strichcode oder 2D Codes
GS1 Standards sorgen dafür, dass Produkte entlang der gesamten Lieferkette eindeutig erkannt und Informationen zuverlässig ausgetauscht werden können. Genau dieses bewährte Fundament wird nun für den Digitalen Produktpass genutzt.
 

GS1 Standards sprechen für sich

Der Digitale Produktpass kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette auf dieselben Informationen zugreifen und sie gleich interpretieren können. Deshalb definiert der GS1 Anwendungsstandard nicht nur die eindeutige Identifikation von Produkten, Unternehmen und Standorten. Er beschreibt auch, welche GS1 Standards anwendbar sind, wie Daten strukturiert werden und welche Anwendungsfälle entlang der Wertschöpfungskette unterstützt werden. Damit entsteht die technische Grundlage für die Umsetzung der europäischen Anforderungen.
 

Für Unternehmen ergeben sich daraus gleich mehrere Vorteile:
 

  • Interoperabilität: 
    Die weltweit eindeutige Artikelnummer GTIN (Global Trade Item Number) ermöglicht den unternehmens- und branchenübergreifenden Austausch von Produktdaten. Alle Beteiligten entlang der Supply Chain sprechen dieselbe Sprache und können Informationen ohne Medienbrüche austauschen.
     
  • Digitaler Zugang: 
    Die GTIN kann in einem GS1 Digital Link eingestellt werden, einer standardisierten Webadresse, die in einem QR Code oder einem anderen Datenträger verschlüsselt ist und zum Digitalen Produktpass führt. Je nach Ort, Zeitpunkt oder Endgerät können unterschiedliche Informationen bereitgestellt werden. So kann etwa ein Textilhändler denselben QR Code weltweit einsetzen, ohne ihn an verschiedene Absatzmärkte anpassen zu müssen.
     
  • Klare Regeln für die Umsetzung: 
    Der Standard beschreibt, wie Produkte gekennzeichnet werden, welche Datenträger geeignet sind und wie Inhalte strukturiert werden. Ob QR Code, NFC oder EPC/RFID – Unternehmen erhalten konkrete Empfehlungen für eine standardisierte Umsetzung. So kann beispielsweise ein Matratzenhersteller den Digitalen Produktpass sowohl über einen QR Code auf dem Produktlabel als auch zusätzlich per EPC/RFID für den Recyclingprozess bereitstellen.
     
  • Praxisnahe Umsetzung: 
    GS1 Standards werden gemeinsam mit Handel, Industrie und Logistik entwickelt und geben Unternehmen konkrete Orientierung für die Umsetzung des Digitalen Produktpasses, etwa bei der Identifikation von Ersatzteilen oder der Bereitstellung digitaler Reparaturanleitungen.
     
  • Investitionssicherheit: 
    GS1 Standards werden weltweit eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Unternehmen schaffen damit keine kurzfristige Lösung für eine einzelne Verordnung, sondern investieren in eine langfristig nutzbare Infrastruktur.
     

Den Digitalen Produktpass erleben

Wie ein Digitaler Produktpass in der Praxis aussehen kann, zeigt der DPP Demonstrator, den GS1 Austria gemeinsam mit weiteren GS1 Organisationen entwickelt hat. Die Online-Demo veranschaulicht, wie Informationen entlang des gesamten Produktlebenszyklus bereitgestellt werden und welche Rolle GS1 Standards dabei spielen – von der eindeutigen Identifikation bis zum Zugriff auf strukturierte Produktinformationen.

Der Demonstrator bietet Unternehmen einen praxisnahen Einblick in die zukünftigen Anforderungen und zeigt, wie bestehende GS1 Standards als Grundlage für den Digitalen Produktpass genutzt werden können.

 

Beispiel – DPP für ein T-Shirt

So kann der DPP für ein T-Shirt aussehen: 
Das Beispiel stammt aus dem Demonstrator des österreichischen Leuchtturmprojekts PASSAT. 

Zum Demonstrator

 

Leitprojekt PASSAT: Fit für den Digitalen Produktpass

PASSAT – Digital Product Passport Austria & Beyond ist ein österreichisches Leuchtturmprojekt der FFG, das heimische Unternehmen bei der Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass unterstützt. Im Fokus stehen dabei nicht nur die regulatorischen Anforderungen, sondern auch die Chancen des DPP für Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Geschäftsmodelle.


Dafür entwickelt PASSAT praxisnahe Lösungen, Schulungsmaterialien und Empfehlungen für Politik und Standardisierung. In Pilotprojekten für die Textil-, Elektronik- und Skiindustrie wird die praktische Umsetzung erprobt. Ziel ist es, Unternehmen Know-how und konkrete Hilfestellungen für die Einführung des DPP zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig Wiederverwendung und Recycling zu fördern.

Zum Leitprojekt PASSAT

 

GS1 Standards und Normung greifen ineinander

Mit dem vorläufigen GS1 Anwendungsstandard erhalten Unternehmen bereits heute eine Orientierung für den Einsatz der GS1 Standards in Digitalen Produktpässen. Parallel dazu schreitet die Standardisierung auf europäischer und internationaler Ebene voran. Der GS1 Standard entsteht im GS1 Global Standards Management Process, während gleichzeitig die Arbeiten in den Normungsgremien intensiviert werden.

In Österreich werden diese Aktivitäten von Austrian Standards International (ASI) begleitet. Im Komitee 001 „Informationstechnologie“ beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit den weltweiten Entwicklungen rund um Digitale Produktpässe. Sie dient als Spiegelgremium für zahlreiche internationale Arbeitsgruppen und begleitet unter anderem die Aktivitäten des europäischen Standardisierungsgremiums CEN/CENELEC. GS1 Austria arbeitet aktiv in diesen Gremien mit und unterstützt die Standardisierung auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

International gewinnt das Thema ebenso an Bedeutung. Mit dem neu gegründeten Joint Technical Committee (JTC 5) werden unterschiedliche Ansätze – etwa aus Europa oder dem chinesischen MA-DPP Universal Framework – zusammengeführt. Ziel ist ein weltweit interoperables DPP-System, das auf einem breiten Netzwerk bestehender Standards aufbaut und gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Branchen weiterentwickelt wird.

 

Zeitplan

Jetzt die Weichen stellen

Auch wenn die endgültigen regulatorischen Vorgaben für die einzelnen Produktgruppen noch nicht feststehen, sollten Unternehmen die verbleibende Zeit nutzen. Der vorläufige GS1 Anwendungsstandard unterstützt bereits heute dabei, IT-Systeme, Kennzeichnung und interne Prozesse auf die Anforderungen des Digitalen Produktpasses vorzubereiten, und wird laufend an die regulatorischen Entwicklungen angepasst.

Wer jetzt handelt, schafft die Grundlage für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette und profitiert gleichzeitig von bestehenden, weltweit etablierten GS1 Standards – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Damit lassen sich Investitionen schützen und die kommenden Anforderungen des Digitalen Produktpasses effizient umsetzen.

 

Erfahren Sie hier mehr...

Digitaler Produktpass (DPP)

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