Seit Februar 2025 ist die EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulative) in Kraft. Ab dem 12. August 2026 regelt sie auch die Nutzung sogenannter „ewiger Chemikalien“ (PFAS): Ihre Anwendung in Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, ist ab diesem Zeitpunkt verboten.
Unternehmen müssen dann nicht nur Alternativen zu betroffenen Materialien finden, sondern auch die Konformität ihrer Verpackungen prüfen und beweisen.
Welche Herausforderungen kommen auf Betriebe zu und wie können sie die neue Regelung praxistauglich umsetzen? Darüber hat sich der Business Development Manager Alexander Peterlik mit dem Team des Podcast „Packstube“ unterhalten.
Das Interview für den „Podcast über die geheimen Rezepte der Verpackungsindustrie“ führten Harry Eckert (Herausgeber KOMPACK) und Gernot Rath (Chefredakteur Pack & Log).
Podcast online hören
PPWR & PFAS: Worum geht es in der Verordnung?
Die Packaging and Packaging Waste Regulative (PPWR) ist eine Verordnung der Europäischen Union, die sich die Reduktion von Verpackungsmüll durch die Förderung der Kreislaufwirtschaft für Verpackungen zum Ziel gesetzt hat. Dazu gehört unter anderem deren Recyclingfähigkeit, Vorgaben für die Nutzung von Rezyklaten oder Mehrwegquoten.
Ab dem 12. August 2026 regelt die PPWR die Nutzung von sogenannten „Ewigkeits-Chemikalien“ (PFAS, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Zukünftig ist die Nutzung dieser Materialien in Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, verboten. Die Regelung gilt für alle in der EU in Verkehr gebrachten Verpackungen, inklusive importierter Ware.
Eine zentrale Anforderung ist dabei die Konformitätserklärung.
Konformitätserklärung für PFAS-freie Verpackungen
Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihre Verpackungen den Vorgaben der PPWR entsprechen und keine PFAS enthalten. Diese gelten als potenziell gefährlich, besonders in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt.
Die Konformität der Verpackungen wird zukünftig auch formell geprüft und bestätigt. Unternehmen müssen auch dem Handel entsprechende Nachweise bereitstellen können, der sie aktiv einfordern kann.
Woran arbeitet GS1?
Mit der konkreten Umsetzung und den notwendigen Rahmenbedingungen in der Praxis beschäftigen sich europäische GS1 Mitgliedsorganisationen bereits seit längerem.
Die PPWR erfolgreich umsetzen
GS1 in Europe stellt Informationen bereit, die der Verpackungsindustrie und der produzierenden Industrie die Erfüllung der komplexen Anforderungen wesentlich erleichtern sollen.
Details und das Whitepaper „Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) and GS1 Standards“ finden Sie im Artikel
Was haben Strichcodes mit PPWR & PFAS zu tun?
Auf den ersten Blick betreffen die PPWR und das Verbot von PFAS Verpackungsmaterialien. Tatsächlich stehen aus der Sicht von Alexander Peterlik aber die Daten entlang der gesamten Lieferkette im Mittelpunkt. Zukünftig müssen Informationen zu Verpackungsartikeln und -materialien strukturiert von den Herstellern über die produzierende Industrie bis zum Handel weitergegeben werden.
Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der PPWR ist die eindeutige Identifikation jedes Verpackungsartikels sowie die Verknüpfung mit den entsprechenden Daten und Nachweisen.
Tipp
Die eindeutige Kennzeichnung und Unterscheidung funktioniert am besten mit Identifikationsnummern wie der Global Trade Item Number (GTIN). Sie bildet die Grundlage dafür, Verpackungen mit den notwendigen Informationen zu verknüpfen, zum Beispiel mit Konformitätserklärungen oder Materialdaten.
Welche Herausforderungen bringt die PPWR für Unternehmen?
Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen allerdings: Die notwendigen Daten sind längst noch nicht alle auf Knopfdruck verfügbar. Viele Informationen liegen in Form von PDFs oder analogen Dokumenten vor, werden manuell gepflegt oder sind nicht standardisiert strukturiert.
Hinzu kommt, dass technische Spezifikationen von Verpackungen häufig sehr allgemein gehalten sind oder nicht alle relevanten Details enthalten. Gleichzeitig zögern einzelne Verpackungshersteller, bestimmte Informationen offenzulegen, etwa aus Gründen des Patentschutzes.
Die Folge: Daten aus bestehenden Systemen reichen oft nicht aus, um die Anforderungen von PPWR und PFAS vollständig zu erfüllen.
Die Verantwortung liegt bei den produzierenden Unternehmen: Sie müssen die Konformität der gesamten Verpackung sicherstellen – auch ohne vollständige Datengrundlage.
Tipp
Hier setzen Initiativen von GS1 an; beispielsweise mit dem Ziel, Verpackungsdaten standardisiert und strukturiert über Systeme wie das Stammdatenservice GS1 Sync verfügbar zu machen und so den Datenaustausch entlang der Lieferkette zu erleichtern.
Verpackungen mit unterschiedlichen Komponenten
Verpackungen bestehen häufig aus mehreren Komponenten und stammen von unterschiedlichen Lieferanten. Für jede einzelne Komponente müssen die entsprechenden Nachweise vorliegen und zusammengeführt werden.
Das erhöht den Abstimmungsaufwand deutlich. Gleichzeitig fehlen in vielen Unternehmen spezialisierte Ressourcen, um diese Aufgaben effizient zu bewältigen. So kann etwa ein Wechsel der Lieferanten oder eine Änderung einzelner Komponenten dazu führen, dass die gesamte Bewertung neu durchgeführt werden muss.
Praxisbeispiel: Trink-Kakao mit Strohhalm
Ein Produkt mit Verbundkarton und beigelegtem Strohhalm erfordert separate Konformitätserklärungen für jede Komponente.
Standardisierte Daten als Schlüssel zur Lösung
Während die Identifikation bereits gut etabliert ist, besteht bei den Stammdaten noch deutlicher Aufholbedarf. Weiterführende Informationen zu Verpackungen sind oft nicht strukturiert verfügbar oder liegen nur in Einzeldokumenten vor. Langfristig geht es jedoch darum, diese Daten direkt digital entlang der gesamten Lieferkette verfügbar zu machen.
Ziel von GS1 ist es daher, den Austausch von Verpackungsdaten zu standardisieren, etwa durch den Ausbau von GS1 Sync als zentrale Datenbasis.
Dort können Verpackungen nicht nur eindeutig identifiziert, sondern auch inklusive Hierarchien für einzelne Bestandteile wie Etiketten oder zusätzliche Komponenten strukturiert beschrieben werden.
Tipp: Kostenloses Whitepaper
GS1 Austria hat gemeinsam mit weiteren europäischen Mitgliedsorganisationen ein Whitepaper zum Thema „PPWR & GS 1 Standards“ herausgegeben.
Neben praktischen Hinweisen zur Umsetzung enthält es ein standardisiertes Excel-Dokument mit einer Liste notwendiger Produkt-Attribute für die Weitergabe von Informationen zur rechtskonformen Erfüllung der PPWR.
Warum Unternehmen jetzt handeln sollten
Die Anforderungen sind klar und der Zeitplan steht. Eine Verschiebung der Fristen, auf die viele Unternehmen zu setzen scheinen, ist aus der Sicht der Experten nicht zu erwarten.
Deshalb ist es für Betriebe aus Sicht von Alexander Peterlik wichtig, sich spätestens jetzt intensiv mit ihren Verpackungen, deren Materialien und vor allem den zugehörigen Daten auseinanderzusetzen.
Wussten Sie?
Über 90 % der Verpackungsunternehmen nutzen bereits GS1 Identifikationen wie GTIN und Transportetiketten – eine wichtige Basis für die nächsten Schritte.
Klar ist allerdings: Diese Herausforderungen lassen sich kaum alleine lösen. Eine erfolgreiche Umsetzung der PPWR erfordert eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette – vom Verpackungshersteller über die produzierende Industrie bis hin zum Handel.
Nur, wenn Daten strukturiert weitergegeben und gemeinsam genutzt werden, können Konformität und Nachweise effizient sichergestellt werden.
PPWR & PFAS-Verbot: Die nächsten Schritte
Die Umsetzung der PPWR und des PFAS-Verbots ist kein rein technisches Thema. Sie betrifft vor allem den Umgang mit Daten entlang der gesamten Lieferkette.
Für Unternehmen bedeutet das konkret: Neben der Kreislauffähigkeit der Verpackung muss auch die Kreislauffähigkeit der Daten gegeben sein.
Verpackungsdaten müssen strukturiert erfasst, eindeutig identifiziert und mit den notwendigen Nachweisen verknüpft werden. Die GTIN spielt eine zentrale Rolle, um Verpackungsartikel klar zuzuordnen und Informationen weiterzugeben.
Ihre nächsten Schritte im Überblick:
- Verpackungsdaten systematisch digital erfassen und strukturieren
- GTIN mit relevanten Dokumenten verknüpfen
- Daten entlang der Lieferkette verfügbar machen
- frühzeitig den Austausch mit Partnern starten
Alexander Peterlik ist sich sicher: Durch die neuen Vorgaben kommt noch mehr Bewegung in die Verpackungsbranche. Diese Dynamik ist auch notwendig, denn sonst wird die Zeit zu knapp: „Der Hut brennt!“