Unterschiedliche Systeme, viele Akteure und komplexe Prozesse prägen das Gesundheitswesen. Damit Informationen dort ankommen, wo sie gebraucht werden, müssen sie nicht nur verfügbar, sondern auch eindeutig interpretierbar sein.
Genau hier setzen Standards an: Sie schaffen eine gemeinsame Basis, auf der Daten sicher ausgetauscht und sinnvoll genutzt werden können.
Wie diese gemeinsame Grundlage in Österreich konkret gestaltet wird, zeigt der Digital Health Standards Catalogue Austria (DHSC 2026), eine gemeinsame Empfehlung österreichischer eHealth-Standardisierungsorganisationen (DICOM, IHE, GS1, Austrian Standards, HL7).
Kooperation für ein vernetztes Gesundheitswesen
Um bestehende eHealth-Standards sichtbarer zu machen und ihre Notwendigkeit für ein interoperables Gesundheitswesen zu unterstreichen, wurde das Österreichische Interoperabilitätsforum als offene Plattform der eHealth-Standardisierungsorganisationen im Memorandum of Understanding zwischen Austrian Standards ON-K 238, IHE Austria, GS1 Austria, DICOM Austria, HL7 Austria – kurz MoU-Organisationen – etabliert.
Denn: „Interoperabilität im Gesundheitswesen entsteht nur durch das abgestimmte Zusammenspiel aller relevanten Standards und deren kontinuierliche Ko-Evolution über Organisationsgrenzen hinweg“, so Stefan Sabutsch, Präsident von HL7 Austria.
Ziel des DHSC ist es, eHealth-Projekte in Österreich zu unterstützen und den Einsatz von Kommunikationsstandards zu fördern.
So zeigen etwa laut Reinhard Egelkraut, Leiter der Technischen Komitees bei HL7 Austria „Konkrete Initiativen wie die SDO-übergreifende Arbeitsgruppe zum URI-Handling, wie durch koordinierte Zusammenarbeit interoperable Lösungen für moderne Standards - etwa im Zusammenspiel von HL7 FHIR und DICOMweb - entstehen. HL7 Austria treibt diese Harmonisierung aktiv voran und stärkt damit die praktische Umsetzbarkeit interoperabler eHealth-Infrastrukturen.“
Als verbindendes Element zwischen den Standardisierungsorganisationen übernimmt HL7 Austria eine koordinierende Rolle und gestaltet mit dem österreichischen Interoperabilitätsforum die zentrale Austauschplattform im Rahmen des MoU. Dadurch sollen Anforderungen, Implementierungen und internationale Entwicklungen systematisch zusammengeführt werden.
Stefan Sabutsch, Präsident HL7 Austria
Formate wie der FHIR Hackathon 2026 verdeutlichen, wie Interoperabilität durch praxisnahe Zusammenarbeit und konkrete Implementierung erlebbar und wirksam wird – ein zentraler Baustein, um Standards nicht nur zu definieren, sondern auch nachhaltig in der Versorgung zu verankern.
Reinhard Egelkraut, Leiter der Technischen Komitees HL7 Austria
So arbeitet das Interoperabilitätsforum
Folgende Punkte wurden zur Ausrichtung und Arbeitsweise des Interoperabilitätsforums vereinbart:
- Die Aufgabe des Interoperabilitätsforums ist es, normenübergreifende eHealth-Standardisierungsprojekte zu identifizieren und zu bearbeiten – entweder direkt im Interoperabilitätsforum oder in den MoU-Organisationen.
- Teilnehmer des Interoperabilitätsforums sind primär alle Vertreter der Organisationen des MoU, aber auch andere Experten sind willkommen.
- Das Interoperabilitätsforum ermöglicht einen gegenseitigen Informationsaustausch für die MoU-Organisationen.
- Das Interoperabilitätsforum ist keine neue Organisation, kein Verein und keine Standardisierungsorganisation.
- Es entwickelt keine eigenen Normen.
- Die Mitarbeit ist freiwillig und ehrenamtlich (es ist auch kein Ersatz von Reisespesen vorgesehen).
- Treffen: dreimal pro Jahr (nach Bedarf)
Interoperabilität im Gesundheitswesen erfordert die nahtlose Integration strukturierter klinischer Daten und Bilddaten über Systemgrenzen hinweg. Die DICOM Austria bringt ihre Expertise in der medizinischen Bildkommunikation in den Digital Health Standards Catalogue Austria ein und stellt sicher, dass die internationalen DICOM-Standards konsistent und zukunftssicher in die nationale eHealth-Architektur eingebettet werden.
Sebastian Wöß, Stellvertretender Präsident DICOM Austria
Der DHSC im Kontext der eHealth-Strategie Österreich
Die eHealth-Strategie Österreich beschreibt den übergeordneten Plan zur Digitalisierung des österreichischen Gesundheitswesens und wird gemeinsam von Bund, Ländern und Sozialversicherung getragen.
Sie legt fest, wie digitale Technologien künftig eingesetzt werden sollen, um die medizinische Versorgung effizienter, moderner und patientenorientierter zu gestalten.#
Im Mittelpunkt steht dabei der Ausbau digitaler Anwendungen wie der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA), des e-Rezepts sowie telemedizinischer Angebote für ortsunabhängige ärztliche Leistungen. Der DHSC wurde als technische Rahmenbedingung bzw. Standard von der Fachgruppe eHealth benannt.
Wie GS1 Standards im Gesundheitswesen wirken
Ein wesentlicher Fokus liegt auf der Identifikation und Kennzeichnung von Produkten sowie auf der standardisierten Gestaltung von Versorgungsprozessen. GS1 Standards ermöglichen eine durchgängige, eindeutige Identifikation und bilden die Grundlage für sichere digitale Prozesse im Gesundheitswesen.
In Österreich wird die Umsetzung der GS1 Standards von GS1 Austria vorangetrieben und gilt als wichtiger Baustein für die Digitalisierung im Gesundheitswesen.
Akkreditierte und anerkannte Identifikations- und Kennzeichnungsstandards
In Europa dienen Identifikations- und Kennzeichnungsstandards der Rückverfolgbarkeit von Medizinprodukten, IVDs und Arzneien. Mittlerweile ist die Nutzung dieser Standards eine gesetzliche oder logistische Anforderung und somit verpflichtend.
- UDI für Medizinprodukte und IVDs gem. MDR & IVDR
- Verpflichtende Kennzeichnung von rezeptpflichtigen Arzneien gem. der Fälschungsschutzrichtlinie
- Verpflichtende Kennzeichnung von apothekenüblichen Produkten (NEM, OTCs etc.) für eine erfolgreiche Listung im Warenverzeichnis des ApoVerlag (in Zusammenarbeit mit ARGE Pharma und Datacare)
Hochwertige Medizinproduktestammdaten durch GDSN
Ein weiterer zentraler Baustein ist GDSN (Globales Daten-Synchronisations-Netzwerk). Dieses Netzwerk ermöglicht eine effiziente und qualitätsgesicherte Stammdatenverwaltung für Gesundheitsprodukte und unterstützt damit die Digitalisierung entlang der Liefer- und Versorgungsketten.
GS1 Austria ermöglicht einen GDSN-Zugang durch das neue Service GS1 Sync Healthcare.
Automatisierung von Bestell-, Liefer- und Zahlungsprozessen
GS1 EDI im Gesundheitswesen bezeichnet den standardisierten elektronischen Datenaustausch zwischen Gesundheitseinrichtungen, Lieferanten und Herstellern auf Basis der Standards von GS1.
Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen werden dabei direkt zwischen IT-Systemen ausgetauscht, wodurch manuelle Eingaben entfallen.
Das führt zu schnelleren Prozessen, weniger Fehlern und geringerem administrativem Aufwand. Gleichzeitig verbessert die Nutzung standardisierter Identifikatoren die Rückverfolgbarkeit medizinischer Produkte und erhöht die Patientensicherheit.
Neue Initiative – GS1 DataMatrix Native Scanning
Im Rahmen von GS1 Healthcare werden zahlreiche Initiativen vorangetrieben, die auf globale Harmonisierung, Patientensicherheit und Transparenz abzielen.
Dazu zählen unter anderem Projekte zur Rückverfolgbarkeit, zur Bekämpfung von Produktfälschungen sowie zur Verbesserung klinischer und logistischer Prozesse (siehe auch hier).
Nach einem erfolgreichen Proof of Concept startete im Jänner 2026 die Pilotphase für Native Scanning. Der 2D Code GS1 DataMatrix soll zukünftig mit Google Lens scanbar werden und einen digitalen Zugang zu weiterführenden Produktinformationen ermöglichen.
So bekommen beispielsweise Pflegekräfte, medizinisches Fachpersonal oder Patienten digitalen Zugang zu vertrauenswürdigen Daten von Arzneimitteln und Medizinprodukten.
Diese gemeinsame Initiative von GS1 und Google spiegelt das Engagement für offene Standards und den Zugang zu Produktinformationen dank technischer Zusammenarbeit wider. Sie zielt darauf ab, interoperable Daten systematisch zu verbinden und so die Gesundheitsversorgung für alle und überall sicherer, intelligenter und effizienter zu machen (siehe auch hier).