Mit dem Fisch ist es so eine Sache. Ernährungsfachleute empfehlen ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, um ausreichend Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Jod und andere wichtige Nährstoffe aufzunehmen. Besonders empfohlen werden fettreiche Meeresfische, ergänzt durch regionale Süßwasserfische.
Gerade die Meeresfische sind jedoch, laut Wissenschaft und NGOs, von Überfischung bedroht: Bei über 37 % der kommerziell genutzten Arten wird mehr entnommen, als durch Fortpflanzung nachwachsen kann. Weitere 50 % werden maximal und nicht nachhaltig genutzt. Was das langfristig für die Fischbestände bedeutet, kann man sich daher gut vorstellen. Die Alternative in Form von Aquakulturen ist leider auch nicht sehr nachhaltig. Fischerzeugung ist somit ökologisch schwierig und ohne umfangreiche Regulierungen wohl kaum nachhaltig zu gestalten.
Dieses Problem ist einer der Gründe für die EU-Fischereikontrollregelung, die seit letztem Jänner um einige Vorschriften reicher geworden ist.
Vieles dreht sich dabei um Rückverfolgbarkeit. Diese schafft – und das ist die gute Nachricht – Synergien für Fisch-Lieferketten, denn auch vielen Fischkonsumenten sind konkrete Informationen zur Rückverfolgbarkeit wichtig. Eine Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2024 (also nach der Rekordinflation infolge des Ukraine-Kriegs) zeigt, dass die Produktherkunft für knapp die Hälfte der Konsumenten unter den Top-drei-Kriterien für den Fischkauf liegt.
Die österreichischen Fischliebhaber sind gegenüber dem EU-Durchschnitt noch um einiges anspruchsvoller, was die Rückverfolgbarkeit betrifft. Einige Zahlen:
- Für 41 % sind Labels zum Nachweis geschützter Herkunftsangaben unter den Top-drei-Kriterien,
- für 30 % sogar der Umweltaspekt.
- Zwei Drittel der befragten Österreicher möchten generell das Fang- bzw. Herstelldatum wissen,
- jeweils über 40 % fordern Umweltinformationen sowie Angaben zum Fischereibetrieb bzw. Farmer.
Das sind also schon zwei starke Argumente, warum man als Fischer, Aquakulturbetreiber, Verarbeiter, Groß- oder Einzelhändler, Marktstandler oder Restaurantbetreiber auf ein effizientes digitales Rückverfolgungssystem setzen sollte.
Zieht man zu diesem Zweck die Lösung von GS1 Trace mit dem Gespann GS1 DataMatrix, GTIN (Global Trade Item Number), GLN (Global Location Number) und zentraler GS1 Trace-Datenbank in Betracht, kommen als weitere Entscheidungshilfe die direkten und indirekten Netzwerkeffekte hinzu. Direkte Netzwerkeffekte bedeuten eine Wertsteigerung mit zunehmender Nutzeranzahl.
Ein digitaler Standard, über den man mit vielen Geschäftspartnern kommunizieren kann, ist wertvoller als einer, mit dem man alleine dasteht.
Maria Madlberger, Universitätsprofessorin an der Webster Vienna Private University
Für Unternehmen, deren Business aus Fischfang, Fischaufzucht, Fischverarbeitung etc. besteht, eine sehr lohnende Überlegung, erleichtert es ihnen doch, die erforderlichen Herkunftsdaten mit zahlreichen Handels-, Industrie- und Dienstleistungsbetrieben automatisiert auszutauschen.
Bei den indirekten Netzwerkeffekten steigt der Nutzen von GS1 Trace durch andere Nutzergruppen und komplementäre digitale Applikationen.
Das ist für jene, die nicht vom Fisch allein leben (z. B. Handel, Lebensmittelmultis), interessant: Ein Standard, der für die Rückverfolgbarkeit von Fischprodukten sorgt, kann auch für die Rückverfolgung anderer Warengruppen eingesetzt werden. Also etwa für Mopro, Eier, Fleisch und Wurst, Obst und Gemüse, Gewürze, und ja, auch für Non-Food-Warengruppen wie Tiernahrung, Kosmetik, Reinigungsmittel, Textilien, Haushaltsartikel etc.
Und für alle Beteiligten erfüllt die Rückverfolgbarkeit neben der Einhaltung der EU-Fischereikontrollregelung noch zahlreiche weitere Funktionen. Beispiele: Produktsicherheit durch effiziente Rückholung im Bedarfsfall, interne und Supply Chain-weite Qualitätssicherung sowie, last but not least, Differenzierung und USP dank glaubwürdigem Herkunftsmarketing.
Wenn das mal nicht gut für die Fische und zugleich keineswegs „für die Fisch“ ist!
Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung der Autorin wider und deckt sich nicht unbedingt mit der Meinung von GS1 Austria.