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Fisch-Herkunft im Fokus: EU-Regeln & Praxis im Podcast

23. April 2026

Digitale Rückverfolgbarkeit wird Pflicht: Die EU-Fischereikontrollverordnung betrifft die gesamte Lieferkette für Fisch und Meeresfrüchte. Im Podcast-Interview geben GS1 Austria und WWF Einblicke in Umsetzung, Chancen und Herausforderungen.

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„Woher kommt der Fisch auf meinem Tisch?“, diese Frage soll dank der EU-Fischereikontrollverordnung leichter zu beantworten sein. Seit Jänner 2026 fordert sie die vollständige digitale Rückverfolgbarkeit für Erzeugnisse aus der Fischerei und Aquakultur.

Was bedeutet die neue Verordnung für diese Betriebe, welche Herausforderungen kommen auf den Handel zu und was haben die Konsumenten davon? Darüber haben sich Christian Lauer (Leiter des Rückverfolgbarkeitsservice GS1 Trace) sowie Axel Hein (WWF Austria) im CASH-Podcast mit der Redakteurin Isabel Frahndl unterhalten. 

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EU-Fischereikontrollverordnung: Ziele & Hintergründe

Fisch und Meeresfrüchte sind weltweit von Überfischung betroffen. Aber auch bei Produkten aus der Aquakultur kann man sich als Konsument nie sicher sein, dass diese aus nachhaltiger Erzeugung stammen.

 

Was die EU-Verordnung zur Fisch-Rückverfolgbarkeit verlangt

Die EU-Fischereikontrollverordnung (EU 2023/2842) trat am 20. Jänner 2026 in Kraft. Die gesamte Lieferkette von Fischerei- und Aquakultur-Erzeugnissen muss seitdem digital nachvollziehbar sein. Die Rückverfolgbarkeit soll vom Fang bis in den Einzelhandel – inklusive der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung – gesichert sein.

Details über die EU-Fischereikontrollverordnung

Ein Service, das besonders österreichische Fischereibetriebe bei der Umsetzung unterstützt, ist GS1 Trace. Bislang vor allem für Fleisch-, Gemüse- oder Molkereiprodukte genutzt, ist es jetzt auch in der Arbeit mit Fisch und Meeresfrüchten angekommen. 

Reaktionen aus der Branche

Christian Lauer, Leiter des Rückverfolgbarkeitsservice GS1 Trace zeigte sich überrascht über die große Anzahl an Unternehmen aus der Fischerei und Aquakultur, die sich an GS1 Austria wandten. Ein hohes Interesse hat auch der Bereich Cash & Carry, da der Großhandel die Informationen nicht nur erhalten, sondern auch weitergeben muss, etwa an die Gastronomie oder Gemeinschaftsverpflegung. 

Kritik aus der Industrie ließ nicht lange auf sich warten. Denn die EU-Fischereikontrollverordnung schreibt zwar den digitalen Datenaustausch vor, nicht aber ein System oder einen einheitlichen technischen Standard, der dabei genutzt werden soll. Die Betriebe haben deshalb Sorge vor einem „digitalen Fleckerlteppich“, der nach kurzer Zeit mit erneutem finanziellen Aufwand vereinheitlicht werden muss.

Christian Lauer, Leiter GS1 Trace bei GS1 Austria © Peter Svec

GS1 Trace-Nutzer haben dabei einen Vorteil. Als Branchenlösung wird unser Service so breit wie möglich ausgerollt und genutzt.

Christian Lauer, Leiter GS1 Trace, GS1 Austria

Rückverfolgbarkeit in der Praxis – mit GS1 Trace

GS1 Trace ermöglicht die chargengenaue Rückverfolgbarkeit eines Produktes entlang der Wertschöpfungskette. 

Die Informationen, die in der EU-Verordnung für Erzeugnisse aus der Fischerei- und Aquakultur gefordert werden, können damit „standardisiert, digital und in einer einheitlichen Sprache“ ausgetauscht werden, beschreibt Lauer. Das Produkt kann lückenlos vom Fang bzw. der Entnahme bis in den Handel und die Gastronomie verfolgt werden. 

 

Ein „Meer“ an Information

Für die schnelle digitale Erfassung der Chargennummer und anderen Daten eignen sich besonders 2D Codes. Im Vergleich zum linearen Strichcode verschlüsseln sie mehr Informationen bei geringerem Platzbedarf und kommen deshalb gerne im B2B-Bereich zum Einsatz.

2D Codes: Alles, was Sie wissen müssen

Herausforderungen für Fischerei, Aquakultur und Handel

Als zukünftige Herausforderungen sieht Christian Lauer die gleichzeitige Begleitung von Unternehmen bei der Umsetzung sowie im Echtbetrieb. Denn „nur, weil Daten zu Beginn korrekt gepflegt wurden, bedeutet das nicht, dass sie nicht laufend aktualisiert werden müssen.“

Dies möchte Lauer eher als eine Forderung von Seiten des Handels sowie der Markeninhaber verstanden wissen, welche die Informationen transportieren wollen. Er sieht sie in der Verantwortung, einen gewissen Detailgrad zu fordern, der auch über die Vorgaben der Fischereikontrollverordnung hinausgehen darf. 

Axel Hein vom WWF Österreich ergänzt hierzu: 

Axel Hein, WWF Österreich © CASH

Es geht schlichtweg um die Bereitschaft der Akteure der Lieferkette, hier transparent zu sein.

Axel Hein, Corporate Relations Manager Seafood, WWF Austria

Unternehmen, bei denen Transparenz weniger Stellenwert hat, lösen bei ihm Skepsis aus: „Was haben sie zu verbergen?“ Im Gegensatz dazu verdienen Betriebe, die ausführliche Informationen bereitstellen, ein höheres Vertrauen. Letzten Endes geht es um Menschen und ihre Lebensgrundlage – beispielsweise die Fischerei. 

 

Ist Transparenz für Konsumenten entscheidend?

Das Interesse der Konsumenten an der Rückverfolgbarkeit von Fisch und Meeresfrüchten schätzen die beiden Interviewpartner als relativ hoch ein. Dennoch spielt auch der Preis eine wesentliche Rolle bei der Kaufentscheidung.

Für eine schnelle Einschätzung und Kaufempfehlung empfiehlt Axel Hein den WWF Fischratgeber

So setzt sich der WWF für nachhaltige Fischerei ein

Der WWF arbeitet seit 15 Jahren in Kooperation mit Einzelhändlern aus ganz Österreich an einer nachhaltigen Lieferkette für Meeresfrüchte und Fischereiprodukte. Transparenz und Rückverfolgbarkeit spielen dabei naturgemäß eine große Rolle. 

Dabei profitiert die Organisation für Natur- und Artenschutz auch von der Zusammenarbeit mit GS1 Austria: Die Daten, die in der EU-Fischereikontrollverordnung gefordert werden und in GS1 Trace digital vorliegen, können dem WWF als Basis für die Bewertung der Produkte dienen. 

Informationen für Handel und Konsumenten

Aktuell liegt eine Datenbank für B2B-Nutzer mit über 1.000 Einträgen über die Herkunft von Fischen oder Meeresfrüchten vor. Informationen über Fangregion und -methode unterstützen die Einordnung, ob die Produkte aus einem nachhaltig befischten Gebiet mit stabilem Bestand stammen. Langfristiges Ziel ist ein Interface für die Datenbank, das Informationen aus GS1 Trace für eine automatisierte Bewertung nutzt. 

Axel Hein, WWF Österreich © CASH

Unser gemeinsames Ziel ist es, den Fisch auf Chargenebene entlang der gesamten Wertschöpfungskette rückverfolgbar zu machen – vom Fang oder Fangschiff bzw. der Farm bis zum Teller des Konsumenten.

Axel Hein, Corporate Relations Manager Seafood, WWF Austria

Konsumenten können beim Einkauf den WWF Fischratgeber nutzen. Er enthält Empfehlungen für nachhaltig gefangene oder in Aquakultur gezüchtete Fische und Meeresfrüchte. Zukünftig soll nur ein QR Code-Scanner oder eine App reichen, um eine Bewertung des Fisches nach dem Ampelprinzip sowie die Herkunft der Produkte abzurufen. 

Denn Axel Heim ist sicher: „Je transparenter die Lieferkette, desto vertrauenswürdiger ist sie für die Konsumenten.“ Aktuell finden dafür Gespräche mit dem Handel statt. Die ersten Schritte sind also getan. Dank der EU-Fischereikontrollverordnung hat das Projekt jedenfalls einen Schub bekommen.

EU-Fischereikontrollverordnung: Ein Blick in die Zukunft

Aktuell benötigt jeder Fisch, der nach Europa importiert wird, ein digitales Fangzertifikat. An der Digitalisierung dieser Informationen arbeiten GS1 und WWF. Das gemeinsame Ziel ist die Betreuung von Betrieben bei der langfristigen Umsetzung von Rückverfolgbarkeit im Bereich Fisch und Meeresfrüchte. „Unterstützung“ dabei versprechen jetzt die Forderungen in der EU-Fischereikontrollverordnung. 

Für die Fischerei der Zukunft wünscht sich WWF-Vertreter Axel Hein ein einfaches Tool für Konsumenten, das die schnelle Überprüfung von Herkunft und Nachhaltigkeit ermöglicht. Schließlich schafft diese Transparenz auch Vertrauen – nicht nur in das Produkt, sondern in die gesamte Lieferkette.

Christian Lauer erhofft sich zukünftig nicht nur Transparenz für Fisch und Meeresfrüchte:

Christian Lauer, Leiter GS1 Trace bei GS1 Austria © Peter Svec

Ich wünsche mir die transparente Lieferkette in allen Bereichen, ohne, dass es immer gesetzliche Grundlagen dafür geben muss, also beruhend auf Freiwilligkeit.

Christian Lauer, Leiter GS1 Trace, GS1 Austria

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